• Industrieempfang in Brüssel

27.03.2026

Im Rahmen unserer Delegationsreise nach Brüssel hat das SPD-Wirtschaftsforum zu seinem dritten Industrie-Empfang eingeladen – und die Themen hätten aktueller kaum sein können: Energiepreise, Dekarbonisierung, geopolitische Unsicherheiten und die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts Europa.

In seiner Begrüßung stellte Dr. Frank Wilhelmy, Geschäftsführer des SPD-Wirtschaftsforums, klar: Industriepolitik ist kardinal für Wirtschaftspolitik. Der „Draghi Report“ deckt auf, was wir längst wissen – Europa hat ein Produktivitäts- und Investitionsproblem. Zu wenig Kapital fließt in Transformationstechnologien wie KI, grüne Chemie und zukunftsfähige Energieinfrastruktur.

Unter der Moderation von Enno Harks, Fachforenleiter Europa & Außenwirtschaft, diskutierten:

Kerstin Jorna, Generaldirektiorin für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU bei der Europäische Kommission, über den Wert eines funktionierenden Binnenmarkts und einer stärkeren Integration der europäischen Energiemärkte. Sie betonte, dass Europa beim Ausbau erneuerbarer Energien deutlich schneller werden muss. Jens Geier, MdEP, mahnte, dass Europa geopolitisch wie wirtschaftspolitisch derzeit auf Sicht fahre – Planungssicherheit und belastbare Business Cases seien das A und O für Investitionen. Dennis Kredler, Senior Director Government Affairs bei Dow Inc. unterstrich, dass die infrastrukturellen Voraussetzungen, etwa im Bereich Wasserstoff oder auch der CO2-Abschneidung und Speicherung bislang fehlten. Ein Dekarbonisierungspfad in der Chemieindustrie sei jedoch nur möglich, wenn die entsprechende Infrastruktur gegeben ist. Solange dies nicht der Fall sei, setze auch der CO2-Preis im Rahmen des ETS keine Anreize für Investitionen in Europa.

Die Diskussion machte deutlich:

  • Europa steht an einer entscheidenden Wegmarke. Der Kontinent hat sich zur Klimaneutralität bis 2050 verpflichtet. Doch der Weg dorthin bleibt herausfordernd – steigende Energiepreise, ein verteuerndes ETS-System und bislang wenig wirksame Grenzausgleichsmechanismen erschweren die Lage.
  • Unsere Aufgabe ist daher klar: Wir müssen Energiepreise senken, Klimapolitik wirtschaftsfähig gestalten und den Dekarbonisierungspfad flexibel und verlässlich zugleich gestalten. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen – ob Ukraine oder Nahost – zeigt sich die Fragilität unserer Energie- und Rohstoffabhängigkeiten.
  • Der Titel unseres Abends bringt es auf den Punkt: „Industriestandort Europa – Zwischen Krise, Transformation und Perspektive“.

Diskussionen wie diese zeigen: Die Antwort auf Europas strukturelle industrielle Krise liegt in einer mutigen, vernetzten und zukunftsorientierten Industriepolitik, die Investitionen, Innovation und Integration gleichermaßen fördert.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmenden, Mitwirkenden und insbesondere auch an Rainer Steffens, Leiter der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union, und seinem Team, die diesen Abend möglich gemacht haben. Ebenso gilt unser Dank Alexander Land und der Eavor GmbH für die Unterstützung des Industrie-Empfangs. Das SPD-Wirtschaftsforum bleibt dran – für eine starke, klimaneutrale und wettbewerbsfähige Industrie in Europa.

Foto-Credits: Splento / Wirtschaftsforum der SPD e.V.