Wirtschafsforum der SPD e.V.

Gute Bankenpolitik ist gute Industriepolitik: SPD-Wirtschaftsforum fordert Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt

03.09.2018

Berlin, 03. September 2018 – Das Wirtschaftsforum der SPD fordert die Bundesregierung zu deutlich mehr Unterstützung der Finanzwirtschaft und des Finanzplatzes Frankfurt auf. „Die Main-Metropole muss der Banker Europas werden,“ sagt Präsidiumsmitglied Harald Christ. Frankfurt könne enorm davon profitieren, wenn Banken aus London im Zuge des Brexit Personal und Kapazitäten abziehen. „Doch Städte wie Paris haben in diesem Rennen die Nase vorn“, erklärt Christ. Die Bundesregierung habe viel zu lange zugeschaut, wie Frankfurt an Boden verliert. „Der Finanzplatz Frankfurt muss jetzt endlich Chefsache werden. Präsident Macron greift längst persönlich zum Telefonhörer.“

Industrie braucht deutsche Banken auf internationaler Augenhöhe

Aber auch mit Blick auf die industriepolitische Bedeutung des Bankensektors sieht Christ dringenden Handlungsbedarf. „Wir müssen die deutschen Banken international auf Augenhöhe bringen. Und da steht der Bundeswirtschaftsminister in der Verantwortung.“ Deutschland benötige als führende Exportwirtschaft eine aktive industriepolitische Begleitung großer Investitionen durch die Finanzwirtschaft. „Deutschland braucht für seine Unternehmen, die ihre Produkte in alle Welt liefern, international wettbewerbsfähige Banken. Dass der sozialdemokratische Bundesfinanzminister Olaf Scholz erst darauf hinweisen muss, sollte im Hause Altmaier gehört und verstanden werden“, unterstreicht Christ.

Investitionsbedarf verlangt Neuaufstellung der Finanzdienstleister

Der Schatzmeister des Wirtschaftsforums der SPD erinnert in diesem Zusammenhang an das erfolgreiche deutsche Universalbankensystem vor der Jahrtausendwende. Vom Modell Deutschland und der Deutschland AG war damals die Rede. Nun sei es Zeit, über ein Modell Europa und eine Europa AG zu sprechen. Neue Geschäftsmodelle der großen Plattformökonomien, die Digitalisierung der Wirtschaft und die Energiewende verlangten nach leistungsfähigen Finanzdienstleistern auf europäischer Ebene, die den gigantischen Investitionsbedarf begleiten. „Deshalb sind auch Bankenfusionen in Deutschland und Europa denkbar“, so Christ. „Wenn die Bundesrepublik eine Europa AG federführend mitgestalten will, müssen wir aber in erster Linie den Finanzstandort Deutschland stärken. Wir dürfen das Feld nicht Bankern aus Paris, Mailand oder Madrid überlassen.“

Christ: Bundesregierung muss nun liefern

Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt morgen an einer Veranstaltung der Deutschen Börse zur Zukunft des Finanzplatzes Deutschland in Europa teil. „Das Wirtschaftsforum der SPD begrüßt das ganz ausdrücklich“, sagt Christ. „Es geht um Tausende Arbeitsplätze in der Rhein-Main-Region – mit spürbaren Folgen für die Kaufkraftentwicklung.“ Schon heute zählt Frankfurt über 60.000 Beschäftigte in der Finanzwirtschaft. Mit Institutionen wie der Europäischen Zentralbank, der zentralen europäischen Bankenaufsicht (SSM) oder der Versicherungsaufsicht (EIOPA) ist die Stadt ein zentraler Ort des Geschehens. „Von der Bundesregierung kamen bisher nur bloße Willensbekundungen, den Finanzstandort noch attraktiver zu machen“, erklärt Christ. „Wir müssen jetzt auch das Euro-Clearing von London nach Frankfurt holen. Die Bundesregierung muss nun liefern.“

Das PDF der Pressemitteilung finden Sie hier.

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