Wie gehen wir politisch und gesellschaftlich mit Desinformation um? Kann Künstliche Intelligenz vom Katalysator zu einem Teil der Lösung werden? Und was kann die Wirtschaft tun? Darüber diskutierte unser Politischer Beirat in einem digitalen Fachgespräch.
Impulsgeber neben Verbandspräsidentin Prof. Dr. Ines Zenke, die das Gespräch moderierte: Armand Zorn, MdB, Vorsitzender des Politischen Beirats, Nora Heer, Gründerin des Institute of HumAIn Organisation und Vizepräsidentin des SPD-Wirtschaftsforums, Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik und Dr. Arndt Freytag von Loringhoven, ehem. deutscher Diplomat und ehem. Vizepräsident des BND.
Klare Kennzeichnung von Inhalten in den sozialen Medien – Graubereich minimieren
Mehr Transparenz in den sozialen Medien: BSI-Präsidenten Claudia Plattner betonte, dass KI-generierte Inhalte klar erkennbar sein müssten. Bedeutsam sei dies auch im Kontext von Desinformation: Beiträge von Menschen als Meinung und jene juristischer Personen als Statement zu kennzeichnen, wäre bereits eine spürbare Verbesserung. Technisch sei dies leicht umsetzbar, es müsse vor allem sichergestellt werden, dass die Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien darauf aufmerksam gemacht werden. Denn klar ist aus ihrer Sicht: Die Menschen haben ein Recht auf Transparenz und zu erfahren, ob es sich um authentische Inhalte handelt.
Soziale Medien wieder stärker auf die Menschen ausrichten
Ein geordneter Raum stärke Möglichkeiten, gegen organisierte Kampagnen und Desinformation vorzugehen, so der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Armand Zorn. Der Digital Services Act sei daher trotz in Teilen berechtigter Kritik unverzichtbar geworden. Gleichzeitig müsste noch deutlich mehr Bewusstsein für digitale Kompetenzen geschafft werden.
Mehr Ressourcen zur Abwehr von Desinformation und emotionale Gegennarrative als Teil der Lösung?
Desinformationsabwehr ist sehr viel kostenschonender als die Folgen der Schäden, bekräftigte Nora Heer. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass Abwehrzentren Inhalte in kürzester Zeit erkennen und kennzeichnen können. Es brauche den politischen Willen und die Ressourcen, um emotionaler Manipulation entgegenzuwirken, so Heer. Auch Dr. Freytag von Loringhoven appellierte an die Notwendigkeit, noch mehr Ressourcen zu mobilisieren und gleichzeitig eigene Gegennarrative zu entwickeln – denn KI könne auch Teil der Lösung sein.
Und was kann die Wirtschaft tun?
Deutlich wurde in der Diskussion, dass es eine enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen brauche, um etwa die E-ID als digitalen Identitätsnachweis in Apps umzusetzen. Die bisher aufgewandten Mittel würden der Herausforderung und Gefahr durch Desinformationskampagnen noch nicht gerecht werden.
Der Austausch zeigte eindrücklich: Wir stehen vor einer großen Herausforderung, die nur gemeinsam als Gesellschaft und den erforderlichen staatlichen Strukturen bewältigt werden kann. Ein Thema, das wir im Wirtschaftsforum der SPD weiterhin eng begleiten werden.