Die neue vom Wirtschaftsforum der SPD e.V. in Auftrag gegebene Civey-Umfrage zeigt, wie skeptisch die Wirtschaft – noch oder schon wieder – auf die neue Koalition blickt. Ob die Bundesregierung die wichtigen Probleme Deutschlands lösen kann, spaltet die Befragten: Rund ein Drittel blickt zuversichtlich auf die neue Bundesregierung und geht davon aus, dass diese die Probleme des Landes verglichen mit der vorigen Ampel-Regierung wirksamer angeht. Ein Drittel hat weniger Vertrauen in Schwarz-Rot, rund ein weiteres Drittel hat gleichbleibendes Vertrauen.
Dass die Maßnahmen der Bundesregierung spürbare finanzielle Entlastungen bringen, davon geht die deutliche Mehrheit der Befragten nicht aus. 81,7 Prozent glauben auf keinen Fall oder eher nicht daran, dass ihr Unternehmen im kommenden Jahr spürbar entlastet wird.
„Die Ergebnisse der Civey-Umfrage zur Wirtschaftslage in Deutschland zeigen, dass die Wirtschaft der neuen Koalition noch oder aber auch schon wieder skeptisch gegenübersteht“, sagt Verbandspräsidentin Prof. Dr. Ines Zenke. Obwohl die Befragten auch Signale für Investitionen und Personalaufbau gäben, spalte die Frage, ob die Bundesregierung die wichtigen Probleme Deutschlands lösen könne. „Die Ergebnisse der Umfrage lassen aufhorchen, denn sie signalisieren auch, dass die Ungeduld in der Wirtschaft wächst. Die Warnleuchte steht auf orange“, sagte Zenke.
Bürokratieabbau und schnellere Genehmigungen sehen die Entscheidungstragenden weiterhin als dringlichstes Problem, das die Bundesregierung priorisieren sollte (67,7 Prozent), um die Wirtschaft zu stärken. Dieser Wert ist verglichen mit den vorigen Umfragen ähnlich konstant hoch geblieben und bleibt für die Befragten am wichtigsten. Mehr als jeder zweite gibt zudem an, dass die Regierung die Senkung der Energie- und Strompreise priorisieren sollte (54,4 Prozent).
Die Unsicherheit und Skepsis zeigt sich auch in den Fragen, ob und wie sehr Entscheidungstragende in Deutschland investieren wollen beziehungsweise inwiefern sie Neueinstellungen planen. Nur knapp ein Viertel der Befragten gibt an, dass das eigene Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall in Deutschland investieren wird. Fast jeder zweite (45,7 Prozent) will dies auf keinen Fall oder eher nicht zu tun.
Ein ähnlich zurückhaltendes oder gespaltenes Bild zeigt sich bei der Frage nach Neueinstellungen: Eine Hälfte der Befragten gibt an, dass ihr Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten Neueinstellungen beziehungsweise Personalaufbau plant. Die andere Hälfte plant dies auf keinen Fall oder eher nicht. Ein interessanter Aspekt dabei: In Ostdeutschland planen deutlich mehr Unternehmen Neueinstellungen als im Westen des Landes.
„Die neue Koalition darf nach der Sommerpause keine Zeit verlieren, wenn die vorsichtige Stimmungsaufhellung in der Wirtschaft sich nicht wieder verdunkeln soll“, so Zenke weiter. Für die SPD bedeute dies auch: „Sie darf die Wirtschaftspolitik und die damit verbundenen Themen nicht der Union überlassen. Welche Themen oben auf die Agenda gehören, hat die Koalition erkannt: Bürokratieabbau und schnelle Genehmigungen verlangt die Wirtschaft zu Recht. Diese Priorisierung steht auch in dieser Umfrage aus gutem Grund mit 67 Prozent an dringlichster Stelle“, betonte die Verbandspräsidentin weiter.
Befragt wurden für die Civey-Umfrage im Auftrag des Wirtschaftsforums der SPD e.V. 1000 privatwirtschaftliche Entscheidungstragende im Zeitraum zwischen dem 21.8. bis 29.8.2025.
Mit welchem veränderten Mindset und Schritten die Staatsmodernisierung aus Sicht des Wirtschaftsforums der SPD e.V. gelingen kann, können Sie auch im verlinkten Positionspapier nachlesen.