Berlin, 7. Mai 2026 – Die industrielle Gesundheitswirtschaft muss in Deutschland konsequenter als strategische Leitwirtschaft verankert werden. Das fordert das Fachforum Gesundheitswirtschaft im Wirtschaftsforum der SPD e.V. in seinem Positionspapier „Strategische Industriepolitik für die Gesundheitswirtschaft – Warum Deutschland Wachstum, Innovation und Resilienz neu priorisieren muss“. Der Koalitionsvertrag setzt mit der Einordnung der Gesundheitswirtschaft als Leitwirtschaft den richtigen Anspruch. Entscheidend ist nun, diesen Anspruch in konkrete industriepolitische Maßnahmen zu übersetzen.
Die Branche ist zentral für Innovation, Wertschöpfung, Beschäftigung und Versorgungssicherheit. Dennoch wird sie politisch noch zu häufig als Kostenfaktor betrachtet. Notwendig ist ein Perspektivwechsel: Gesundheitspolitik muss stärker mit Wirtschafts-, Innovations- und Sicherheitspolitik zusammengedacht werden.
„Die industrielle Gesundheitswirtschaft ist ein strategischer Wachstumsmotor. Wer Versorgungssicherheit, Beschäftigung und stabile Sozialversicherungssysteme sichern will, muss Innovation und industrielle Stärke gezielt fördern“, sagt Christian Clarus, Fachforenleiter Gesundheitswirtschaft des Wirtschaftsforums der SPD e.V.
Das Wirtschaftsforum der SPD e.V. fordert bessere Investitionsbedingungen, weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und mehr Verlässlichkeit bei Regulierung, Preisbildung, Erstattung und Finanzierung. Kurzfristige Kostendämpfung dürfe nicht zulasten von Innovation, Skalierung und Wettbewerbsfähigkeit gehen.
Zugleich ist klar: Reformen und Prioritätensetzungen werden nicht ohne Beiträge aller Beteiligten auskommen. Alle Akteure im Gesundheitswesen werden Einschnitte und Veränderungen mittragen müssen. Gerade deshalb braucht es verlässliche, planbare Rahmenbedingungen, damit notwendige Anpassungen nicht zu Investitionsunsicherheit führen.Auch deshalb ist es sinnvoll, versicherungsfremde Leistungen aus der GKV herauszunehmen und die dadurch gewonnen Spielräume in diesem Sinne zu nutzen.
„Investitionen in Forschung, Produktion und Versorgung brauchen politische Verlässlichkeit. Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass Rahmenbedingungen planbar bleiben und Innovation nicht durch kurzfristige Kostendämpfung ausgebremst wird“, sagt Prof. Dr. Klaus Kocks, Mitglied des erweiterten Präsidiums im Wirtschaftsforum der SPD e.V.
Auch Resilienz müsse strategisch verstanden werden. Lieferketten, europäische Produktionskapazitäten und Versorgungssicherheit bei Arzneimitteln und Medizinprodukten erforderten klare politische Prioritäten und angemessene Finanzierung.
Der laufende Pharma- und Medizintechnikdialog sei ein wichtiger Ansatz, müsse aber dauerhaft institutionalisiert und in konkrete Entscheidungen überführt werden. Das Fachforum spricht sich unter anderem für einen verbindlichen Zeit- und Maßnahmenplan, Monitoring sowie die Prüfung eines Unterausschusses „industrielle Gesundheitswirtschaft“ im Deutschen Bundestag aus.
„Dialoge sind nur dann wirksam, wenn aus ihnen konkrete Umsetzung folgt. Deutschland braucht eine kohärente industriepolitische Strategie für die Gesundheitswirtschaft“, betont Prof. Dr. Susanne Knorre, Schatzmeisterin des Wirtschaftsforums der SPD e.V.
Das Positionspapier können Sie über diesen Link abrufen.